P&R Container als Wertanlage gescheitert: Was heißt das für Anleger?

Verglichen mit geschlossenen Kapitalanlagen wie Schiffsfonds galten P&R Container als verhältnismäßig sicheres Investment. Nun kam es laut einem Bericht des Handelsblatts aber trotzdem zur Insolvenz. Gerade für betroffene Anleger wirft das zwei Fragen auf:

  1. Wie konnte es dazu kommen?
  2. Was folgt daraus konkret für die Investoren?

Hintergründe

Das Scheitern des Anlageprodukts P&R Container überrascht auf den ersten Blick. Immerhin konnte das Münchener Unternehmen bis zuletzt damit werben, dass es seit Gründung in den 1970ern eine solide Erfolgsgeschichte verzeichnete. So heißt es auf der Unternehmenswebsite: „P&R hat seit 1975 nachweislich alle vertraglichen Verpflichtungen gegenüber den Anlegern ausnahmslos zu 100 Prozent erfüllt“. Die Rendite auf das eingesetzte Kapital belief sich nach eigener Aussage währenddessen jährlich auf robuste 4 Prozent im Durchschnitt. Ein Wert, der unterhalb überambitionierter Zielvorgaben mancher geschlossener Fonds lag, aber in Phasen der Niedrigzinspolitik dennoch ein attraktives Investment bedeutete.

Auch das Investitionsobjekt selbst überzeugte grundsätzlich. Die zunehmende Globalisierung treibt erwartbar die Nachfrage nach Warentransportmöglichkeiten. So sollten auch die Mieteinnahmen der P&R Container kontinuierlich steigen oder zumindest stabil bleiben. Indem Privatleute von P&R Container erwarben, erlangten sie eine greifbare Wertanlage und profitierten von festen Leasingraten, die der Verkäufer nunmehr als Mieter entrichtete. Zusätzliche Sicherheit versprach daneben das Angebot von P&R, von den Kunden erworbene Container fünf Jahre nach der Investition zu einem garantierten Preis von 65% ihrer Höhe zurückzukaufen. Wenigstens ein Totalverlust schien somit für Anleger kein reales Risiko.

Folgen für Anleger

Die Insolvenz indes durchkreuzt nun diese Aussicht auf ein sicheres Fundament der Anlage. Denn weil der potenzielle Rückkäufer ausfällt, können die Anleger höchstens hoffen, dass sich ein anderer Käufer für ihre P&R Container findet. Zwar bliebe es alternativ möglich, dank des unveränderten Eigentums an den Containern weiter Mieterlöse oder Leasingraten einzuziehen. Bisher stammten diese allerdings von P&R und wurden nur mittelbar für die Logistik des Seehandels vermietet. Kurzum: Käufer und Mieter der Container fallen aus.

Der Grund hierfür verschärft die Lage jedoch noch in einer zweiten Hinsicht. P&R scheiterte nämlich nach einhelliger Einschätzung daran, dass zuletzt die Einnahmen aus der Weitervermietung der Container einbrachen. Das Unternehmen musste Insolvenz anmelden, nachdem es die entsprechenden Umsatzeinbußen nicht mehr mit Erlösen aus dem Weiterverkauf von Containern an Neukunden auffangen konnte. Damit ist klar, dass die Nachfrage es kaum zulässt, Verkauf oder Leasing der Container annähernd zu den Konditionen zu arrangieren, die P&R geboten hatte. Mithin zeichnen sich für Anleger erhebliche Verluste ab.

Schaubild Anlagemodell PR Container

 

Chance einer Rückabwicklung von Investitionen in P&R Container

So horrend sich die Schäden bei den Betroffenen ausmessen, so sehr entsprechen sie grundsätzlich dem Risiko am Kapitalmarkt. Wer Gewinnchancen nutzen will, muss dafür zugleich ein Wagnis eingehen.

Damit ist die rechtliche Bewertung des Falls jedoch keineswegs abgeschlossen. Schließlich bestehen nach der Rechtsordnung dort Ausnahmen von besagtem Grundsatz, wo erhebliche Sorgfaltswidrigkeiten der Geschäftspartner es unbillig machen, dem Anleger sein Investitionsrisiko unverändert zu belassen. Grundsätzlich erkennen Gesetz und Rechtsprechung hierbei zwei Schutzmechanismen:

Der erste nimmt P&R und womöglich die Unternehmensleitung in die Haftung, sollte sich herausstellen, dass sie sehenden Auges die Neukundenakquise nutzte, um Leasingraten an Bestandskunden zu zahlen und damit langfristig nicht ausgleichbare Fehlbeträge zu kompensieren. Auf diesem Wege Schadensersatz geltend zu machen, ist jedoch äußerst voraussetzungsreich. Die Anforderungen an die persönliche Haftung der Unternehmensführung sind hoch; die erforderlichen Beweise für grobe Sorgfaltswidrigkeiten lassen sich selten zusammentragen. Unterdessen laufen Forderungen gegen das Unternehmen ins Leere, weil sie aus der Insolvenzmasse kaum befriedigt werden können.

Höhere Erfolgsaussichten versprechen deshalb häufig Kapitalrückabwicklungsverfahren, die sich gegen Vermittler oder beratende Banken richten. Denn wenn ohne Beratungsfehler die Investitionsentscheidung ausgeblieben wäre, sind gegebenenfalls auch ihre Pflichtverletzungen für Schäden eines Privatanlegers verantwortlich. Ob vorliegend Aufklärungsdefizite aufgetreten sind und ob sie den Anleger erst zur Zeichnung veranlasst haben, lässt sich nicht pauschal bewerten. Beurteilt werden kann dies nur nach einer sorgfältigen Überprüfung der Beratungssituation im Einzelfall. Weiterführende Fragen beantwortet insofern unsere Praxisgruppe für Kapitalmarktrecht.

Ansprechpartner


RA Dr. Henrik Bremer
h.bremer@wr-recht.de
Fachanwalt für Steuerrecht
Wirtschaftsprüfer, Steuerberater